Greifswalder Universitäts-Journal Ausgabe 3/2003 (Juni)
Eine gute Gelegenheit -
Interdisziplinäres deutsch-schwedisches Barocksymposium in LundDie occasio war günstig: während der »Mecklenburg-Vorpommerschen Tage in Südschweden" (siehe Journal 2/2003, S. 14) veranstaltete unsere Partneruniversität am 18. Mai ein Symposium zu deutscher, schwedischer und neulateinischer Kasualpoesie und Gelegenheitsmusik des 17. Jahrhunderts.
Die von dem Lunder Literaturwissenschaftler Prof. Claes-Göran Holmberg ausgerichtete und von Prof. Jens Olesen moderierte Tagung bot den Referenten, allesamt Mitglieder einer Greifswalder Arbeitsgruppe zur Erforschung des barocken Kasualschrifttums im Ostseeraum, ein äußerst angenehmes und anregendes Forum mit zahlreichen Diskussionen vor, während und (bis lange) nach der Veranstaltung.
Eröffnet wurde die Reihe der Vorträge von Priv.-Doz. Dr. Peter Tenhaef, der sich aus musikwissenschaftlicher Perspektive mit der kunstvollen Inszenierung des Traueraktes für Carl X. Gustav an der Universität Greifswald (1660) beschäftigte. Im folgenden, neolatinistisch orientierten Beitrag versuchte ich, anhand zeitgenössischer Gelegenheitsgedichte, vor allem aus der Feder des Poetikprofessors Marcus Bernhardinus, die Hintergründe der Mission des Greifswalder Orientalisten Johannes Hieronymus Staude am Hofe Königin Christinas (1653) aufzuhellen, anknüpfend an Ergebnisse eines früheren Vortrags auf dem von Prof. Gregor Vogt-Spira organisierten Colloquium Balticum II (siehe Journal 5/2002, S. 10).
Nach der middagsrast entwickelte Prof. Werner Buchholz an zahlreichen Textbeispielen (etwa einer Reihe am Stettiner Gymnasium im 17. Jahrhundert entstandener Kasualschriften) in einem Überblick über die Forschungsgeschichte die Begrifflichkeit des Patron-Klient-Verhältnisses, das für die sozialhistorische und kommunikationsgeschichtliche Untersuchung von Kasualschrifttum eine wichtige Grundlage darstellt, und formulierte zahlreiche Forschungsdesiderate.
Abschließend zeigte Prof. Walter Baumgartner in einem ebenso stimulierenden wie konzentrierten Vortrag, welche intertextuellen Bezüge von der »Liebeskette« in Cole Porters Let's Do It über Shakespeare und Spenser bis hin zur barocken schwedischen Gelegenheitsdichtung aufscheinen.
Unter den (trotz Sonntags und schönen Wetters!) immerhin 20 Gästen, die eifrig und intensiv mit den Referenten diskutierten, war auch Dr. Heidrun Führer, ganz frisch diesen April in Lund mit einer Arbeit zum jesuitischen Barockdrama promoviert.
Am Montag ergab sich für die Greifswalder Gäste eine weitere großzügig gebotene occasio: die Sichtung einiger Bestände an Gelegenheitsschrifttum in der Lunder Universitätsbibliothek, immer kompetent unterstützt von den versierten und hilfsbereiten Bibliothekaren. Natürlich trug jeder der Besucher mehr als einen »Schatz«, wenn auch nur in Kopie, mit nach Hause.
Alles in allem: der Besuch in Lund war eine gute Gelegenheit, um interdisziplinär über das eine oder andere tillfällighetsdikt zu sprechen. Andere werden folgen!
Dr. Boris Dunsch, Lehrstuhl für Latinistik, Institut für Altertumswissenschaften, Universität Greifswald
Presseartikel - Colloquium Balticum
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