Greifswalder Universitäts-Journal Ausgabe 5/2002 (Dezember)
Auffrischung der Antike
Colloquium Balticum II - Altertumsforscher rund um die Ostsee tagen über AntikerezeptionVor einem Jahr hatte alles angefangen (siehe Journal 6/2001, S. 9): nach einer äußerst erfolgreichen Tagung in Lund hatte eine Reihe von Altertumswissenschaftlern aus Estland, Lettland, Litauen, Deutschland und Schweden verabredet, sich ein Jahr später zu einem weiteren international ausgerichteten interdisziplinären Kolloquium zu treffen, diesmal an der Universitas Gryphiswaldensis.
Die Resonanz war wieder überwältigend: Vom 7. Bis 10. November versammelten sich an die fünfzig Altertumsforscher und Studierende zum Gedankenaustausch. Das Alfried Krupp Wissenschaftskolleg bot mit seiner Gastfreundschaft in nagelneuen Räumlichkeiten und einem mit allem technischen Raffinement ausgestatteten Vortragssaal einen einmaligen Rahmen, in dem das facettenreiche Vortragsprogramm angemessen präsentiert werden konnte.
Das Spektrum des Gebotenen läßt sich hier nicht vollständig auflisten. Nach einführenden Worten des Prorektors Jens Olesen, des Direktors des Krupp-Kollegs Bernd Henningsen sowie des Lehstuhlinhabers für Klassische Philologie/Latinistik, Gregor Vogt-Spira, gab es ein strammes und gehaltvolles Programm mit 18 Vorträgen.
Das Spektrum reichte von rezeptionsrelevanten Themen wie der symbolischen Deutung des Daphnemythos bei Esaias Tegnér (Jerker Blomqvist aus Lund) über den Argonautenmythos in der römischen Literatur (Vita Paparinska aus Riga), Motive antiker Mythologie in der Dorpater Kasualpoesie des 17. Jahrhunderts (Anne Lill aus Tartu) und griechisch-römische Einflüsse auf die biographische Literatur Litauens in der Frühen Neuzeit (Mintautas Ciurinskas aus Vilnius) bis zu der Gestalt der Kassandra in der antiken Tragödie (Daiva Ozolina aus Riga), dem Einfluß der antiken Poetik auf das neulateinische Drama (Heidrun Führer aus Lund) und Platons sokratischem Hahn (Bernadette Banaskiewicz aus Greifswald).Es wurde eifrig diskutiert, neue Erkenntnisse wurden gewonnen, Einsichten gesammelt, Freundschaften geschlossen, nicht nur in der Cafeteria des Kollegs, sondern unter anderem auch im Restaurant Athena, wo sich die Teilnehmer am ersten Abend trafen.
Die Form hat sich bewährt, das »Baltische Netzwerk/Baltic Network« gewinnt Profil, die Veranstaltungsreihe erhält Permanenz: das dritte Colloquium Balticum, wieder mit breiter Beteiligung rund um den Ostseeraum, ist bereits für den nächsten Herbst in Schweden geplant, Colloquium Balticum IV soll 2004 in Riga stattfinden.
Dr. Boris Dunsch, Lehrstuhl für Latinistik, Institut für Altertumswissenschaften, Universität GreifswaldPresseartikel - Colloquium Balticum
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