Im
November 2001 ist in Lund das "Baltic Network", ein 'Netzwerk zur
Antike und Antikerezeption im östlichen Ostseeraum' gegründet worden.
Ursprünglich aus einem Institutsaustausch zwischen den
altertumswissenschaftlichen Instituten Lund und Greifswald in den
Jahren 1999 und 2000 hervorgegangen, verbindet es heute Forscher aus
den Universitäten Greifswald, Lund, Riga, Tartu und Vilnius. Beteiligt
sind die Latinistik aus Greifswald, die Gräzistik, Latinistik und
Altertumswissenschaft aus Lund sowie die Klassische Philologie aus den
drei baltischen Universitäten Riga, Tartu und Vilnius. Darüberhinaus
besteht Offenheit für die Teilnahme weiterer Disziplinen.
Ziel
ist es, für die Erforschung der Antike und ihrer Rezeption im
östlichen Ostseeraum eine Plattform des Austauschs zu schaffen. Denn
für die Situation der Altertumswissenschaft ist es charakteristisch,
daß zwar an vielen Orten zur Antike geforscht wird, jenseits der
mittel- und südeuropäischen Länder und den USA jedoch die Kontakte
untereinander und die wechselseitige Kenntnis eher gering sind.
Insbesondere sind die deutsche und die skandinavische
Altertumswissenschaft wenig vernetzt - trotz vielfach vorzüglicher
Deutschkenntnisse in Schweden und Finnland. Auch die wieder
aufblühende Klassische Philologie in den baltischen Ländern schließt
teilweise explizit - so etwa in Tartu - an ihre älteren deutschen
Wissenschaftstraditionen an. Hier besteht eine Chance Greifswalds, für
die nordosteuropäischen Länder in der Altertums-wissenschaft eine
Brückenkopffunktion zu übernehmen.
Ein
weiteres Moment, das einen Austausch von speziellem thematischen
Interesse sein läßt, kommt hinzu. Denn ein Merkmal der Beschäftigung
mit der Antike in den skandinavischen und baltischen Ländern besteht
darin, daß der Rezeption ein erheblicher Platz innerhalb der
Erforschung der Antike zukommt. Die einzelnen nationalen Traditionen
sind jedoch außer in einigen wenigen herausragenden Fällen außerhalb
des jeweiligen Landes praktisch nicht bekannt; selbst für den
norddeutschen Raum ist der Humanismus viel weniger erforscht als für
Süddeutschland oder gar für die romanischen Länder.
Das
Kolloquium behandelt die beiden Themenbereiche Antike sowie
Antikerezeption. Ausdrücklich erbeten sind auch Beiträge von seiten
der Bild- und nicht nur der Textwissenschaften.
Ein
entscheidendes Merkmal des Colloquium Balticum ist die
Teilnehmerzusammensetzung von Lehrenden, Doktoranden und Studierenden.
Aus allen drei Gruppen werden auch Vortragende gewonnen. In den
letzten Jahren hatten die Kolloquien jeweils über 50 Teilnehmer, davon
mehr als die Hälfte Studierende. Aus den bisherigen Kolloquien haben
sich rege Kontakte nicht nur auf der Ebene der Lehrenden sondern auch
der Studierenden ergeben bis hin zu Studentenaustauschen (mit den
Universitäten Tartu und Riga bestehen Erasmus-Programme in der
Latinistik).
Die
Kolloquien finden zweisprachig statt (deutsch und englisch). Das
nächste Kolloquium soll auch publiziert werden. In jedem Fall ist es
Ziel, die Aktivitäten auch nach außen hin kenntlich zu machen; daher
ist auch soeben eine eigene homepage für das Colloquium Balticum
(www.colloquiumbalticum.org) eingerichtet worden.
Greifswald, im Juli 2004
Prof.
Dr. Gregor Vogt-Spira